Hunde haben keine Seele, oder doch?

Ich erinnere mich noch, wie ich dich nach Hause geholt habe. Du warst so klein und knuddelig
mit deinen winzigen Pfoten und deinem weichen Fell. Du stolpertest durch den Raum mit
blitzenden Augen und hängenden Ohren. Manchmal hast du einen kleinen Heuler
losgelassen um zu sagen "Das ist mein Revier!". Du machtest ein Chaos aus dem Haus
und kautest alles an, was du sahst, und wenn ich mit dir geschimpft habe, hieltest du nur
deinen Kopf gesenkt und schautest mich aus unschuldigen Augen an, als ob du sagen
wolltest "Tut mir leid, aber wenn du nicht guckst, werde ich es wieder machen".

Als du älter wurdest, beschütztest du mich, indem du jeden anbelltest, der an unserem
Fenster vorbeiging. Wenn ich nach einem harten Arbeitstag wiederkam, wartetest du
wedelnd auf mich, um mir zu sagen "Willkommen zu Hause. Ich habe dich vermisst."
Du hattest nie einen schlechten Tag und ich konnte mich immer auf dich verlassen.
Wenn ich mich hinsetzte und Zeitung las oder Fernsehen schaute, hüpftest du auf
meinen Schoß um Aufmerksamkeit zu erregen. Du hast nie mehr von mir verlangt als
dir den Kopf zu streicheln, damit du auf meinen Beinen schlafen konntest.

Als du alt wurdest, liefst du nicht mehr so schnell herum. Dann, eines Tages, verlangte
das Alter seinen Tribut und du konntest nicht mehr auf deinen wackligen Beinen stehen.
Ich kniete mich zu dir und streichelte dich wie du da lagst, ich versuchte, dich wieder
jung zu machen. Du schautest mich nur an, als ob du sagen wolltest, dass du alt und
müde warst und, da du nie um etwas gebeten hattest, mich um einen letzten Gefallen
bitten wolltest. Mit Tränen in den Augen fuhr ich noch ein letztes Mal zum Tierarzt.
Ein letztes Mal lagst du neben mir. Warum auch immer warst du noch in der Lage
in der Praxis aufzustehen, vielleicht war das dein Stolz. Als der Arzt dich wegführte,
zögertest du einen Moment, drehtest deinen Kopf zu mir um Danke zu sagen.
"Danke, dass du für mich gesorgt hast."
Ich dachte: "Nein, danke, dass du für mich gesorgt hast."



Die letzten Bitten eines kranken
und alten Hundes

Viele Jahre durfte ich Dein treuer Begleiter sein. Du hast schon, als Du mich beim
Züchter abholtest, meine Liebe gewonnen. Ich lief Dir zu und Du nahmst mich in
Deine Arme. Du hast Dir viel Mühe gegeben, aus mir einen wohlerzogenen Hund
zu machen. Wichtig war mir, daß Du viel mit mir gespielt hast, ich habe dabei
auch gewonnen. Du hast nie mit mir geschimpft oder mich gar geschlagen, wenn
eine Übung von mir nicht gleich verstanden wurde. Unsere Bindung, dabei war es
Liebe, wurde immer inniger, wir wurden unzertrennliche Freunde, in Freud und auch
in Leid. Stolz ging ich mit Dir spazieren und freute mich ebenso wie Du, wenn ich,
wegen meines gepflegten Aussehens und meiner Folgsamkeit - manchmal war sie
nur Dir zu Liebe - bewundert wurden.

Nun meine letzte Bitte an Dich. Die Zeit ist vergangen, Du wurdest älter und ich alt.
Ich bin zwar noch immer folgsam, aber das Spiel und der Spaziergang wird halt
schon immer langsamer. Aber Du verstehst mich ja, bist noch viele Stunden,
auch in der Nacht, nach einem Tierarztbesuch, wenn ich Schmerzen hatte,
bei mir gewesen und die Schmerzen wurden gleich besser. Wir waren eben Freunde.
Wenn nun mein Hundeleben zu Ende geht, bitte ich Dich, wenn es Dir möglich ist,
mich auf dem letzten Weg zu begleiten. Mein letzter Blick soll Dir gelten, bevor
meine Augen brechen.

Sei nicht so traurig, wenn Du einen Freund, vielleicht den besten, verloren hast.

Leb wohl!

ebenfalls entnommen von landos-collie-seiten

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